„Warum fragt eigentlich niemand, wie wir werden wollen?“

   

Pia Heinze ist Scrum-Master bei sipgate. In dieser Funktion setzt sich vor allem damit auseinander, wie Menschen am besten zusammenarbeiten können. Wir sprachen mit ihr darüber, warum es sich lohnt nicht nur über das „Was“, sondern auch über das „Wie“ der Arbeit nachzudenken.

Ist dir schon mal aufgefallen, dass wir immer gefragt werden, was wir einmal werden wollen aber nie wie wir werden wollen?  

Pia Heinze: Ja, natürlich. Und das ist sehr schade. Es gibt da diese kleine Anekdote, bei der ein Kind gefragt wird, was es denn mal werden will. Und das Kind sagt einfach: glücklich. Ich denke, dahingehend müssen wir alle umdenken. Gleichzeitig gibt es keinen Standardweg, wie man etwas macht oder wird. Jeder muss seinen eigenen Weg finden. Es ist schon mal viel gewonnen, wenn junge Leute sich Gedanken darüber machen, wie sie arbeiten wollen. Gerade heute ist es wirklich schwierig, bei sich selber zu bleiben und herauszufinden, was man eigentlich wirklich für sich will. Denn wir alle orientieren uns durch Social Media an dem was anderen wichtig ist, wofür wir Likes geben und bekommen.

Hast du noch einen Tipp, den du Berufseinsteigern mit auf den Weg geben möchtest?

Pia Heinze:  Es ist glaube ich wichtig, sich klar zu machen, dass heute eine Entscheidung für einen Job, keine Entscheidung fürs ganze Leben ist. Das war vielleicht mal so. Heute haben wir viele Möglichkeiten Dinge anzupassen. Also, keine Angst vor einem ersten Commitment. Man merkt ja erst wie viele Möglichkeiten man hat, wenn man mal was ausprobiert.

Außerdem wird es in den nächsten Jahren noch viel schlimmeren Fachkräftemangel geben. Die Arbeitswelt wird sich grundlegend ändern. Natürlich wird es noch Leute geben, die ihre 80-Stunden-Wochen in einer Beratungsagentur schieben wollen, aber dem Großteil wird Anforderungen an eine angemessene Work-Life-Balance stellen. Und das ist auch gesund.

Du hast ja auch einen freien Tag pro Woche. Warum ist dir das wichtig?

Pia Heinze: Ich nenne mich gerne Vollzeit-Idealist. Diese Art, wie wir hier arbeiten, finde ich persönlich unfassbar toll.  Was wir hier jetzt zum Beispiel zusammen machen, dass ich dir ein Interview gebe, bei einem Panel mit diskutiere oder einen Workshop auf der Digital Talents gebe, das mache ich alles wahnsinnig gerne, habe aber bei sipgate für diesen idealistischen Kram wenig Zeit. Deshalb habe ich für mich diese 80/20-Aufteilung gefunden, um während meiner Arbeit voll hier zu sein – und gleichzeitig Menschen erzählen zu können, dass es eine sinnvolle Art zu arbeiten gibt, die erfolgreich ist, die aber trotzdem keine Menschen verbrennt. Damit laufe ich gerne wie so eine leuchtende Fackel durch die Gegend. 

Lässt sich das mit deinem Fokus und deinem Job bei sipgate tatsächlich gut vereinbaren?

Pia Heinze:  Ja, und ich kann es nur jedem empfehlen. Durch den einen freien Tag pro Woche kann ich mich während meiner Zeit bei sipgate voll auf meinen Job als  Scrum-Master fokussieren. Und wenn ich den Tag frei habe, dann kann ich die andere Sachen machen. So vermische ich das nicht. Das tolle ist, dass wir hier bei sipgate diesen Wert stark leben, das heißt, wenn ich frei habe, ruft mich auch niemand an oder erwartet, dass ich auf Slack antworte oder meine E-Mails checke. 

Was willst du noch verbessern?

Pia Heinze:  Immer alles, das ist eine Berufskrankheit. Wenn ich irgendwas sehe, was mich nervt, dann überlege ich, wie das anders gehen könnte. Hier bei sipgate sind das Kleinigkeiten. Aber auch wenn jemand zu mir kommt und sich beschwert, dann frage ich immer zuerst mal: Hast du dir überlegt, ob das anders geht. Damit machst du dich nicht unbedingt beliebt.

sipgate selbst ist allerdings keine Firma, die mit ihrem Produkt die Welt verbessert, oder?

Pia Heinze:  sipgate ist ein Telekommunikationsanbieter. Vielleicht ist das mein idealistischer blinder Fleck. Aber auch wenn wir die Welt nicht durch das Produkt verändern, tun wir das doch durch die Art und Weise wie wir arbeiten. 2018 haben wir 14.000 Leuten eine Führung durch unser Unternehmen gegeben. Total absurd. Und das ist so aus Versehen passiert. Wir sind zu einer agile Speerspitze geworden, und nehmen diese Verantwortung auch an. Darum geben wir diese Bücher mit verschiedenen Work Hacks heraus. Wir wollen zeigen, dass es auch anders gehen kann, dass auch in der Arbeitswelt Werte wie Respekt, Mut und Wertschätzung wichtig sind.

Und wenn wir hier so vielen Leuten zeigen, dass ein sinnvolles Miteinander am Arbeitsplatz möglich ist, nehmen sie diese Einstellung mit und verbreiten es im Freundeskreis. Vielleicht sind dann irgendwann nicht mehr so viele Leute bereit diesen zwischenmenschlichen Bullshit mitzumachen.

Wie möchtest du dich persönlich weiterentwickeln?

Pia Heinze:  Ich weiß noch gar nicht wo das für mich noch hinführt – momentan meditiere ich viel. Ich mache mir Gedanken wie Gehirn und Geist funktionieren. Was da noch auf mich wartet? Vielleicht biete ich mal einen Meditations- und Achtsamkeits-Kurs an. Momentan funktioniert es für mich, wenig zu planen und mehr auf mein Bauchgefühl im hier und jetzt zu achten. Das ist cool, also mach ich das so weiter. Und so legt sich dem Gehenden der Weg unter die Füße.

Fotos: sipgate / privat

Besucht den Scrum-Workshop von Pia Heinze auf der Digital Talents.

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