Was macht eigentlich ein Scrum Master?

Pia Heinze arbeitet als Scrum Master bei der sipgate GmbH in Düsseldorf. Nebenher ist sie Coach, bloggt ab und zu, meditiert eine Menge und diskutiert leidenschaftlich gerne über alles aus den Kategorien „was mit Menschen“ und „Welt retten“.

Pia, du bist Scrum Master. Das klingt ziemlich spannend, aber was ist das eigentlich?

Ja, klingt aufregend, nicht? Ursprünglich wurde Scrum für die Softwareentwicklung entwickelt. Im Grunde ist es nichts anderes als eine Art und Weise zu arbeiten, ein Rahmenwerk. Basis dafür ist der Scrum Guide, der in den 90ern geschrieben wurde. Autoren waren ein paar Softwareentwickler, die sich dachten, dass das doch irgendwie anders gehen muss. Seitdem wurde das Rahmenwerk aktualisiert und in viele Sprachen übersetzt. Im Grunde sind es aber eine Handvoll Regeln dazu, wie man am besten und effektivsten zusammenarbeiten kann. Im Rahmen von „New Work”  erfreut sich Scrum einer größeren Beliebtheit, weil es verspricht, dass Dinge schneller entwickelt werden können, und schneller fertig werden.

Und, funktioniert das?

Ja, allerdings wird häufig vergessen, dass man viele Dinge am Anfang erstmal üben muss. Und wenn man Dinge neu macht und erstmal üben muss, dann dauern sie am Anfang länger. Scrum liefert ein tolles Rahmenwerk zur Zusammenarbeit. Aber es funktioniert erst, wenn man es ein bisschen geübt hat. Am Anfang löst Scrum überhaupt keine Probleme. Das ist die schlechte Nachricht. Die gute Nachricht ist, dass Scrum Probleme sichtbar macht, das heißt, Probleme, die man in der Zusammenarbeit ohnehin hat, kann man durch Scrum sehen. Und erst wenn man Probleme sehen kann, kann man sie auch verbessern.

Und funktioniert Scrum genau?

Okay, man hört ja häufig, wie das in Konzernen so abläuft: lange Abstimmungsprozesse, langfristige Planungen. Scrum schneidet große Arbeitspakete erstmal klein, in sogenannte Sprints. Ein Sprint dauert bei uns hier, bei sipgate ein bis zwei Wochen. Jedes Team überlegt sich, wie lange sie sprinten wollen. Dabei fließen folgende Fragestellungen ein: Wo soll unser Produkt hingen? Wie denken wir heute, soll unser Produkt am Ende aussehen? Und was können wir in den nächsten 2 Wochen an dem Produkt bauen, so dass es in 2 Wochen funktioniert und ein Stück besser ist als heute?

Das Schöne ist, dass man sich nur einen Abschnitt von zwei Wochen Arbeit vornimmt. Und dann überlegt man: War das richtig? War das gut? Was haben wir gelernt? Hat das funktioniert? Dann passen wir für die nächsten zwei Wochen unsere Arbeitsweise minimal an, weil wir ja schon ein bisschen schlauer geworden sind.

Kannst du diese Arbeitsweise der üblichen Arbeitsweise in einem großen Konzern gegenüberstellen? 

Das was in großen Konzernen üblicherweise passiert, nennen wir Wasserfall-Projektorganisation. Da setzt man sich heute hin, rechnet den Business-Case durch und  macht einen Plan für die nächsten zwei Jahre, der dann abgearbeitet wird. Das Problem ist: Es würde nur gut funktionieren, wenn die Welt nicht so komplex wäre und Dinge sich nicht so schnell ändern würden.

Denn wenn ich einen Zweijahresplan habe, dann habe ich keine Chance, den von Anfang bis Ende durchzubringen; oder ich halte die Welt an oder ich gebe mir wahnsinnig viel Mühe und verbrenne wahnsinnig viel Zeit, Geld und Menschen. Deshalb schneiden wir unsere Projekte in Sprints und gucken uns regelmäßig an, was wir anpassen müssen. Wir arbeiten also agil, schaffen ein agiles Framework um auf Veränderungen in der Firma, im Markt, in der Welt, in der Politik, schneller reagieren zu können. 

Ein anderer Vorteil: Wenn wir zwei Wochen Mist produziert haben, dann werfen wir Arbeit von zwei Wochen weg. Wenn jemand nach zwei Jahren merkt, dass niemand mehr das Produkt haben will, dann wirft man Arbeit von zwei Jahren weg.

 

Wie behaltet ihr das große Ganze im Auge?

Da haben wir hier bei sipgate eine schöne Lösung gefunden. Das hat jetzt nichts mehr mit Scrum zu tun, sondern wir haben hier über die Jahre in kleinen Schritten eine Arbeitsweise für uns entwickelt. Mitten im Büro haben wir ein großes Portfolio-Bord mit vielen Stickies. Auf diesem Bord steht alles drauf, was die Firma macht. Jedes Team und Projekt hier in der Firma ist auf diesem Board abgebildet: mit der Richtung, in die sie arbeiten, mit den Produkten, die sie erarbeiten und mit den Menschen, die daran arbeiten und wie das auf unsere übergeordnete Firmenstrategie einzahlt. 

Ein Mal die Woche steht mindestens ein Repräsentant von jedem Team, das dort abgebildet ist – und alle, die wollen – zum Update vor dem Bord. So behalten wir den Überblick was in der Firma gerade funktioniert oder auch nicht funktioniert. Zusätzlich haben wir ein paar Leute, die sich mit der Strategie auseinandersetzen und das große Ganze im Blick behalten. Dazu fahren sie einmal im Quartal für ein paar Tage weg und überlegen was wir anpassen müssen. Also, einmal im Quartal und nicht einmal im Jahr. Auch hier also wieder kleinere Schritte, das ist der Zauber.

Auf der Digital Talents wird euch Pia Heinze eine Einführung in Scrum geben. Schnell Ticket sichern und für den Workshop vormerken lassen.

Pia Heinze (bei Xing, Twitter, Medium), sipgate GmbH

Fotos: sipgate / privat

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