Was Frauen fordern müssen: Tipps zum Thema Gleichberechtigung

Die Erfahrung von Lana Wittig als Head of Corporate Partnerships bei Edition F zeigen, dass sich das Thema Frauen und Gleichberechtigung zu einem immer dringenderen entwickelt. Problematisch sieht sie, dass Frauen vor allem in Führungspositionen nur zu einem geringen Prozentsatz vertreten sind.

Lana, was kann ich denn als Frau machen – gerade auch in der Position als Bewerberin oder Berufseinsteigerin – um selbst für meine Gleichberechtigung einzustehen? 

Ein ganz wichtiges Learning für mich persönlich war es, diese unangenehme Stille im Bewerbungsgespräch aushalten zu können. Die kommt ja meistens dann auf, wenn es um Gehalt geht, wenn es um eine Position geht, die man einfordert. Und dann gibt es diesen Moment, wo du entweder dagegenhalten musst oder nur lange genug aushalten musst, bis dein Gegenüber etwas sagt. Und das ist unglaublich schwierig. Ich glaube, da ist es wichtig, einfach vorher zu üben. Sich selbst zu sagen: Okay, das ist, was ich möchte. Das sind die Argumente, die ich dafür habe. Und ich werde mich nicht davon abbringen lassen. Und das ist im Bewerbungsgespräch gerade für junge Frauen sehr, sehr wichtig. Wir sehen da ja zum Beispiel, dass Frauen in Bewerbungsgesprächen auf die gleichen Positionen bis zu 50 Prozent weniger Gehalt einfordern als Männer.

Auch bei euch?

Wir sind ein spezieller Fall. Wir haben das umgedrehte Problem. Wir haben sehr wenige männliche Bewerber auf unsere Positionen, weil wir kein Recruiting-Budget haben. Das heißt, wir rekrutieren über unsere eigenen Kanäle – und unsere Zielgruppe ist zu fast 90 Prozent weiblich. Das heißt bei jeder neuen Position die wir ausschreiben, bemühen wir uns extrem darum, männliche Bewerber zu generieren über unsere privaten Kanäle und indem wir auch wirklich sehr konkret kommunizieren, dass wir uns auch männliche Bewerber wünschen. Genau deswegen haben wir auch eine selbst eingerichtete Männerquote. Die haben wir im letzten Jahr erfüllt. Jetzt sind wir gerade wieder ein bisschen runter gerutscht, weil uns zwei Männer verlassen haben. Es ist ein Kampf, aber wir wissen, dass es möglich ist. Deswegen verstehe ich jetzt auch noch viel weniger die Unternehmen, die behaupten, keine weiblichen Bewerbungen zu bekommen. Aber man muss sich da mehr Mühe geben und investieren.

Jetzt mal ganz spitz gefragt: Warum braucht ihr denn Männer im Team?

Wir glauben, dass es wichtig ist, auch männliche Perspektiven zu haben. Wir predigen, dass diverse Teams nicht nur auf einer menschlichen Ebene, sondern vor allem auch auf einer ökonomischen Ebene sehr sinnvoll sind. Da gibt es viele Studien darüber, dass du mit verschiedenen Perspektiven einfach sehr viel kreativer und produktiver arbeiten kannst. Ich hatte jetzt zwei Jahre einen Mann mit im Sales-Team und natürlich bringt er andere Perspektiven rein als Frauen, die so sind wie ich. Und natürlich bringt jemand mit Migrationshintergrund eine ganz andere Perspektive rein als ich, die diesen Background nicht hat. Deswegen bemühen wir uns darum, uns diverser aufzustellen.

Thema Digitalisierung und New Work: Unterstützt dies Frauen dabei, Beruf und Familie besser zu vereinbaren. Oder ist das ein Trugschluss?

Natürlich bergen die New-Work-Strukturen, wie remote arbeiten zu können, flexible Arbeitszeiten und Home-Office-Optionen, Chancen für Eltern. Auf der anderen Seite gibt es auch hier neue Studien darüber, dass zum Beispiel flexible Arbeitszeiten und Home-Office-Möglichkeiten sich bei Frauen dahingehend auswirken, dass sie am Ende mehr arbeiten, weil sie gleichzeitig mehr Zeit in ihre Arbeit und mehr Zeit in die Care-Arbeit stecken können, also in die Erziehung der Kinder und die Hausarbeit. Dadurch arbeiten sie am Ende durch diese flexiblen Möglichkeiten einfach mehr Stunden als wenn sie ihre Arbeitszeit zu festen Bürostunden abarbeiten und dann nach Hause gehen würden. Diese Auswirkungen gibt es bei Männern auch. Allerdings nur dahingehend, dass diese mehr Stunden für den Arbeitgeber arbeiten, aber nicht mehr Zeit in die Care-Arbeit stecken.

Wir sehen also auch hier wieder eine Weiterentwicklung der Stereotypen. Die Frau kümmert sich um Haus und Kind. Obendrauf kommt aber jetzt auch noch der Job, der machbar ist durch diese New-Work-Strukturen. Und bei Männern wirkt es sich dahingehend aus, dass sie wieder mehr Zeit in ihre eigenen Karrierewege investieren. Das heißt, auch da muss man schauen: Wie sinnvoll ist welches Modell? Dazu gibt es sicherlich sehr individuelle Antworten.

Da müssen wir ganz genau hingucken. Am Ende wird – neben den Themen Equal Pay, Frauenförderung und Frauen in Führungspositionen – auch der Faktor eine wichtige Rolle spielen, Männer mehr in die Kindererziehung, mehr in die Hausarbeit reinzuholen. Das ist wichtig um voranzukommen – gesamtwirtschaftlich und gesamtgesellschaftlich. Es ist immer noch so, dass in Deutschland zum Beispiel circa 60 Prozent der Männer keinen Tag Elternzeit nehmen bei der Geburt des Kindes. Und es ist auch so, dass Frauen zehn Jahre nach der Geburt des ersten Kindes 61 Prozent weniger Gehalt verdienen als vorher. Das heißt, bevor wir da keine Gleichberechtigung schaffen, werden wir die anderen Probleme auch nicht lösen.

Foto: Unsplash / Claudio Schwarz

Das Interview führte Josefine Köhn-Haskins.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.