WANDEL ALS CHANCE: DIESE SKILLS BRAUCHEN BEWERBER

Welche Skills brauchen Bewerber, um auf dem Arbeitsmarkt der Zukunft erfolgreich zu sein. Wir haben für euch nachgefragt. Ein Interview mit dem HR Talent Manager von Telefónica Deutschland, Christian Gorczak.

Die Auswirkungen der Digitalisierung unterscheiden sich von denen früherer industrieller Revolutionen durch das Tempo der Veränderung.  Können Sie die Veränderungen kurz beschreiben?

Christian Gorczak: Die Digitalisierung hat unsere Welt massiv beschleunigt. Technologien und Geschäftsfelder verändern sich mit rasanter Geschwindigkeit, Innovationen müssen schneller in den Markt, die Erwartungen der Kunden nach maximaler Flexibilität und individuellen Angeboten steigen. Mit dem fortschreitenden Wandel in unserem Umfeld verändert sich auch unsere Arbeitswelt – die Anforderungen an Unternehmen und Mitarbeiter sind heute andere als früher. Jobs werden sich verändern, neu entstehen und auch wegfallen.

Beispielsweise werden Künstliche Intelligenz und 5G revolutionäre Entwicklungen mit sich bringen, die wir heute noch nicht vollständig absehen können. Sie bergen aber auch ein unglaubliches Potenzial.

Aufgrund all dieser Veränderungen ist die digitale Transformation keine rein technische Aufgabe, sondern vor allem eine Herausforderung für Unternehmen, ihre Mitarbeiter und deren Arbeitsweisen.

Um zukunftsfähig zu bleiben, muss eine Organisation flexibel und zugleich leistungsfähig sein, um der Dynamik des Marktes effektiv zu begegnen. Es ist wichtig, die Mitarbeiter zu befähigen, selbst Akteure des Wandels zu werden – und aktuelle Arbeitsweisen, Strukturen und Prozesse müssen auf den Prüfstand.

Wie kann sich der Einzelne auf diese Veränderungen vorbereiten?

Christian Gorczak: Wichtig ist vor allem die richtige Einstellung: Indem wir Wandel als Chance begreifen, Veränderungen aktiv mit zu gestalten und uns im Prozess auch persönlich weiterzuentwickeln, bleiben wir am Puls der Zeit. Unsere Qualifizierung ist heutzutage nicht mehr mit unserer ersten Ausbildung, den ersten Arbeitsjahren oder einem späteren Zertifikatskurs abgeschlossen. Denn: Die Welt und unser Beruf bzw. unsere Aufgaben und unser Umfeld verändern sich kontinuierlich. So müssen auch wir kontinuierlich dranbleiben und uns offen zeigen, Neues zu lernen.

Idealerweise sind Lerngelegenheiten direkt in den täglichen Arbeitsverlauf eingebettet („in the flow of work“) – beispielsweise durch Tutorials, Job Rotations und temporäre Projekteinsätze in anderen Bereichen, durch Feedback und Austausch in Communities, oder durch agiles Arbeiten im Team.

In einer immer komplexeren Welt muss sich die Komplexität auch in gemischten Teams wiederspiegeln. Damit sollte ein jeder lernen umzugehen, gut als Team zusammenarbeiten und dabei auch immer mal neue Arbeitsweisen ausprobieren.

KI, maschinelles Lernen, Big Data werden viele Berufsbilder überflüssig machen. Welche Berufe werden verschwinden? Welche neuen Berufsbilder werden entstehen?

Christian Gorczak: Die meisten Jobprofile werden sich in erster Linie verändern. Das betrifft einfache Tätigkeiten genauso wie komplexe Aufgaben, z.B. die KI-unterstützte Auswertung von Röntgenbildern. Über neue Berufsbilder können wir allen voran spekulieren, aber es wird sicherlich zunehmend Experten brauchen, um die komplexe Vernetzung, die Verarbeitung von Daten und die Entwicklung neuer Plattformen voranzutreiben.

Was in jedem Fall wichtig ist: Unternehmen und Politik müssen dafür sorgen, dass die Menschen die Möglichkeit zur lebenslangen Weiterbildung erhalten und lernen, wie sie die Möglichkeiten der Digitalisierung jeweils für sich nutzen können. Wir bei Telefónica Deutschland sorgen z.B. für gezielte Qualifizierung und Weiterentwicklung innerhalb des Unternehmens.

Welche Skills muss der Einzelne in Zukunft mitbringen, um sich seinen Platz auf dem Arbeitsmarkt zu sichern?

Christian Gorczak: Nach wie vor ist es heute relevant, eine gute Grundqualifizierung zu haben – sie ist der Einstieg in das Berufsleben. Das ist unabhängig davon, ob man in einem Unternehmen, einer Beratung oder einem Start-up tätig wird.

Darüber hinaus sind durch die Digitalisierung neue Kompetenzen wichtig geworden.

Dazu gehören einerseits digitale Kompetenzen, wie beispielsweise ein grundlegendes Verständnis und Anwendungswissen für Software-Programme oder die Fähigkeit, mit Daten umgehen zu können. Das heißt nicht, dass jeder ein Data Scientist sein muss. Aber jeder sollte Daten für seine spezifische Fragestellung nutzen, Analysen verstehen und in den richtigen Kontext setzen können.

Zum anderen haben bestimmte persönliche Kompetenzen deutlich an Bedeutung zugenommen, die man als Veränderungskompetenz zusammenfassen könnte:

Offenheit für Neues und Gestaltungswillen: Der Wandel ist heute unser ständiger Begleiter. Eine Offenheit für Neues und eine positive Grundeinstellung zu Veränderungen als Chance, sich auch persönlich weiterzuentwickeln und aktiv zu gestalten, sind heute enorm wichtig. 

Resilienz: Eine gewisse Widerstandsfähigkeit hilft, um sich sicher in der zunehmenden Unsicherheit zu bewegen. Wenn ich das Gefühl habe, selbst etwas bewirken zu können, wenn ich mir meiner Stärken bewusst und überzeugt bin, dass Veränderungen mich nicht gleich aus der Bahn werfen, kann ich ihnen mit einer gewissen Gelassenheit entgegen sehen.

Flexibilität und kontinuierliche Weiterentwicklung: In dieser schnelllebigen Welt ist es wichtig, sich kontinuierlich weiterzuentwickeln, um wettbewerbsfähig und am Puls der Zeit zu bleiben – das gilt sowohl für Unternehmen als auch für jeden Einzelnen. Dafür brauchen wir eine gewisse Flexibilität: Indem wir unsere eigene Entwicklung als nie abgeschlossen betrachten und kontinuierlich lernen, halten wir unseren Marktwert konstant hoch und sind bestmöglich auf künftige Aufgaben vorbereitet.

Teamfähigkeit und Blick für das „Big Picture“: Das Zeitalter der Siloarbeit ist vorbei – vernetzte, interdisziplinäre Teams sind an der Tagesordnung. Aus diesem Grund ist es wichtig zu verstehen, wie verschiedene Sachverhalte zusammenhängen und welche Auswirkungen die persönliche Tätigkeit auf das große Ganze hat. Welche Schnittstellen gibt es, was sind dabei die Abhängigkeiten? Damit die Zusammenarbeit funktioniert, braucht es aber Menschen, die sich auch mit der Vielfalt auseinandersetzen, die sich gegenseitig zuhören, voneinander lernen wollen, gegenseitige Wertschätzung mitbringen und eine ehrliche Feedbackkultur etablieren.

Wichtig sind umfassende Methodenkompetenzen: Es geht nicht darum, dass alle agil arbeiten, sondern dass die Mitarbeiter fähig sind, je nach Fragestellung die richtige Methode auszuwählen: klassisch oder agil.

Typische menschliche Eigenschaften, rücken besonders in der Digitalisierung wieder mehr in den Fokus, denn dadurch unterscheidet sich der Mensch maßgeblich von der Maschine: Die Initiative ergreifen, Beziehungen aufbauen, Empathie empfinden, Begeisterung und Leidenschaft entwickeln, reflektieren und auch mit Konflikten in der Zusammenarbeit umgehen – das kann nur der Mensch und das macht uns wertvoll.

Christian Gorczak ist seit 2018 Manager Talent Management & Recruiting, bei Telefonica. Hier ist er für den gesamten Talent-Lifecycle – Bereichsübergreifend für TEF Germany – zuständig. Vor seiner Stelle bei Telefonica war Christian im Management Consulting tätig und hat DAX-Konzerne bei der Optimierung ihrer HR-Organisation und der dazugehörigen Programmen beraten. Foto: Telefonica

Aufmacherbild: Unsplash / banter-snaps

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