New Work Heroes: Warum eine gute Selbsteinschätzung wichtig ist

Jörn Hendrik Ast ist Autor, Coach und Gründer der New Work Heroes. Unter anderem unterstützt er Menschen bei der Karriereorientierung und zeigt ihnen, wie sie ihr berufliches Potenzial erkennen und umsetzen können. Er sieht die Digitalisierung als Chance für neue, spannende Möglichkeiten auf dem Arbeitsplatz der Zukunft. 

Jörn, welche neuen Jobprofil siehst du aktuell?
Es gibt die verschiedensten neuen Jobprofile. Die Digitalisierung sorgt natürlich einmal dafür dass wir ortsunabhängig arbeiten können. Außerdem entstehen ganz neue, unterschiedlichen Themenfeldern, die es so vorher nicht gab. Stichworte sind etwa Daten, künstliche Intelligenz. Und dann ist natürlich die Frage: Wie erarbeite ich mir das? Wie werde ich das? Fort- und Weiterbildung wird deshalb immer wichtiger.

Klassische Medienberufe wie der des Journalisten/der Journalistin haben sich drastisch verändert. Und da ist auch noch ganz viel Bewegung drin wenn es darum geht neue Formate zu entwickeln und aufzubauen. Auch die IT, die Softwareentwicklung, verändert sich rapide – alleine durch die Internationalisierung. Und ich kann jetzt noch sechs Stunden so weitermachen.

Das geht bis hin zum Kfz-Mechaniker, den es seit sechs Jahren offiziell nicht mehr gibt. Das ist ein Ausbildungsberuf der ausgestorben und überführt worden ist in den Mechatroniker.

 

„35 Prozent der Jobprofil werden automatisiert“

 

Solche Veränderungen hat es aber doch schon immer gegeben, oder?

Natürlich, wenn man sich die Geschichte der Arbeit angeguckt, sind durch den Fortschritt in den letzten 200 Jahre immer wieder Berufe ausgestorben. Beispielsweise in der Branche Buchdruck, Buchsatz. Mit der Einführung der Druckerpresse sind diese Jobs ausgestorben.

Und das ist heute ganz genauso. Wenn ich Sachen automatisiere und digitalisiere werden bestimmte Tätigkeiten überflüssig. Der Future of Employment-Studie der Oxford University zufolge, werden 35 Prozent der aktuell stehenden Jobprofil automatisiert werden.

Das sehe ich nicht ganz so drastisch, vor allem hier in Deutschland. Denn in Sachen Digitalisierung steht Deutschland im Internationalen Vergleich schrecklich da. Ich persönlich glaube, dass es in Deutschland noch in 50 Jahren Beamte geben wird, die Papiere in Akten abheften. 

Naja, ich hoffe schon, dass die Besucher unserer Digital Talents da etwas innovativer und mutiger sind. Welche Skills sollten Bewerber denn mitbringen, um sich in der Arbeitswelt der Zukunft erfolgreich zu sein?

Ich finde, dass Bewerber heute ganz tolle Möglichkeiten haben, wenn sie die aktuellen Veränderungen umarmen und annehmen. Die Skills und die Anforderungen, die sie mitbringen sollten, sind ganz einfach eine Offenheit und eine Freude an Kommunikation, mehr als je zuvor.

Die Welt ändert sich, das sehe ich an meiner zwölfjährigen Tochter, die jetzt schon mit allen möglichen Menschen in der ganzen Welt kommuniziert. Diese Kommunikationsfähigkeit ist eine ganz wesentliche Grundkenntnis und Grundfähigkeit des kollaborativen Arbeitens.

Ich schaffe es Kommunikation so zu channeln dass ich in Meetings und Workshops mit meinen Kollegen Ergebnisse erarbeiten kann. Agile Arbeitsformen aber auch Offshoring in sogenannten virtuellen Teams – wenn ich das beherrsche, dann kann ich auch von zu Hause arbeiten oder reisen während ich arbeite.

 

„Finde heraus, wo deine Stärken liegen“

 

Gibt es auch ganz konkrete Skills, die ich mir aneignen kann?

Konkrete Skills hängen natürlich immer von den Anforderungen ab. Konkrete Tipps sind, Schwerpunkte auf die eigenen Stärken zu setzen. Das ist immer ganz wichtig, wenn du mit Personalern sprichst. Um auf dem Arbeitsmarkt der Zukunft erfolgreich zu sein, sollte jeder die Fähigkeit entwickeln zu sagen, wo seine Stärken liegen.

Dazu ist es natürlich wichtig, sich überhaupt erst mal damit auseinanderzusetzen was deine Stärken sind. Ich bin stressresistent und ich bin sehr fleißig, das ist keine Kompetenz die eine Personaler interessiert. Personaler interessieren sich dafür, warum du etwa kommunikativ bist. Warum bist du strukturiert? Was ist dein Ziel, wo willst du hin? Bist du jemand der Projektarbeit liebt oder der das Ausarbeiten und Gestalten in der Tiefe mit Wissen und Können meistert. Welche Bereiche willst du mit ausbauen? 

Und wie verkaufe, beziehungsweise vermittle ich diese Fähigkeiten im Bewerbungsgespräch?

Also, das ist ganz einfach. Ich habe dazu meine Karriere-Typologien entwickelt. Hier spielt diese Frage der Kompetenzen eine große Rolle. Ich nenne das Selbstwirksamkeit: Ich spüre was ich kann und kann dann alles Mögliche darauf aufbauen. Nehmen wir mal das Beispiel strukturiert und stressresistent. Das bedeutet, ich schaffe es, mich möglichst mit hohem Konzentrationsgrad in ein bestimmtes Fachgebiet einzuarbeiten und darin sehr gut zu werden und auch schnell Texte dafür zu entwickeln oder auch Konzepte, Folien, oder etwas dafür zu berechnen.

Das ist in meiner Typologie der Maker oder die Makerin. Und dann sollte ich das auch beweisen, etwa indem ich über eine Hausarbeit spreche, die ich zu einem bestimmtem komplexen Thema geschrieben habe und die so gut geworden ist, dass ich dafür nicht nur eine gute Note bekommen habe, sondern zum Thema auch einen eigenen Blog gestartet habe oder einen Podcast.

Ist dabei nicht auch das Thema wichtig? Oder geht es nur darum zu zeigen, dass man sich schnell in eine komplexe Thematik einarbeiten kann?

Es ist die Kombination. Wenn ich behaupte, dass ich es liebe mich in fachliche Themen einzuarbeiten und sehr strukturiert bin, dann sollte ich anhand von anfassbaren Beispielen belegen können, warum. Daraus kann ein Personaler etwas lesen. So etwas ist tausendmal besser als eine perfekte Note oder zu sagen: Meine größte Schwäche ist mein Anspruch an Perfektion.

Welcher Arbeits-Typ bist du?


Du hast vorher den Maker-Typ erwähnt. Was sind denn die anderen Typen?

Es gibt den Unternehmer/die Unternehmerin, die gerne eigene Projekte und eigene Ideen entwickeln und einen starke Unternehmergeist haben. Die Kämpferin und der Kämpfer lösen gerne Probleme, die anderen unmöglich erscheinen. Das sind oft Beratertypen, die gerne in einem schwierigen Projektumfeld arbeiten. Die vierte Typologie sind die Helferinnen und Helfer. Sie arbeiten gerne altruistische für den Dienst oder eine Sache, um etwas zum Guten zu verändern.

Und diese Schwerpunkte deiner Typologie einschätzen zu können ist ganz wichtig. Denn wenn du merkst, du bist eine Helferin und du möchtest wirklich wertorientierte arbeiten, dann wirst du es nicht schaffen für eine Werbeagentur zu arbeiten die etwa für Tabak Werbung macht. Das schaffst du nicht. Du wirst innerlich zugrunde gehen. Und das sollte man akzeptieren.

Also meine Typologie ist nicht Unternehmensorientiert sondern Bewerberorientiert. Ich gucke mir die Menschen an und sage ihnen ganz klar: Bewirb dich nicht bei einem Unternehmen wenn du damit gegen deine inneren Werten und deine Selbstwirksamkeit verstößt. 

Wie schaffe ich es, mich dabei nicht selbst anzulügen. Es gibt ja soviele Anforderungen an Bewerber, wie man sein soll. Und vielleicht auch wie man selbst sein möchte. Wie finde ich heraus, was wirklich zu mir passt?

Das stimmt, wir kriegen da eine Menge Einschläge von außen mit, die uns ganz schön kaputt machen. Ehrlich gesagt will ich jetzt nicht anfangen mit der Theorie, dass wir alle verloren haben zu sehen wo unsere Fähigkeit liegen. Das ist ja so ein typischer Coaching-Satz. Da ist aber immer viel dran. Es geht um innere Dialoge, die ich in mir habe, um Zweifel. Und das ist völlig normal. Als junger Mensch, der als Berufsanfänger auf den Markt kommt, habe ich immer Zweifel. Und die Personaler wissen das auch. Fakt ist, die Bachelor-Abgänger werden immer jünger. Und die Personaler sind schon okay, die wollen ja auch Nachwuchstalente einstellen.

Aber die erste Antwort auf deine Frage ist, sich damit zu beschäftigen. Und viele haben das noch nicht einmal gemacht, sich mit inneren Stärken auseinandergesetzt oder mal geguckt, was liegt mir denn wirklich? Der Weg das herauszufinden ist leider lang. Aber es gibt verschiedene Hilfestellungen, meine Typologie ist eine. Es gibt auch einen kostenlosen Test, um das mal zu probieren.

Ein wichtiger Tipp ist, sich einfach mal mit seinen Freunden zu unterhalten und zu fragen: Was siehst du denn an mir, was ich gut kann? Ein psychologischer Faktor: Wir selber sind gefangen in unserem Gehirn. Wir können nicht erkennen wo unsere eigenen Stärken liegen. Das geht nur im Dialog mit anderen.

 

Die Fragen stellte Josefine Köhn-Haskins

Foto: New Work Heroes

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