GetRemote: Warum ortsunabhängig Arbeiten glücklich macht

Flexibilität und Freiheit trotz Festanstellung – Teresa Bauer berät Arbeitnehmer und Arbeitgeber, wie das flexibles Arbeiten in einer teilweise oder komplett ortsunabhängigen Festanstellung funktioniert. Ein Interview über Arbeit, Glück und warum Unabhängigkeit dabei eine große Rolle spielt.

 

Teresa, macht dich deine Arbeit glücklich?

Mich macht Arbeit glücklich, wenn mich der Sinn dahinter erfüllt. Da ich mit meiner Arbeit mit GetRemote Menschen in ihrem (Arbeits-)Leben glücklicher machen möchte, macht mich meine Arbeit dadurch auch glücklich. 🙂 

Arbeit kann ja aber nicht nur glücklich sondern auch unglücklich machen. Welche Faktoren spielen dabei eine Rolle?

Ich denke, dass vor allem zwei Faktoren dabei eine große Rolle spielen – der Inhalt der Arbeit und die Rahmenbedingungen. Oft werden die Rahmenbedingungen meines Erachtens etwas unterschätzt und sollten gleichwertig zum Inhalt der Arbeit betrachtet werden. Egal wie begeistert ich vom Inhalt meiner Arbeit bin – jeder kennt es, dass einem bestimmte Punkte auch mal langweilig werden oder einen nach einer bestimmten Zeit etwas nerven. Und hier können die Rahmenbedingungen dann das entscheidende Fünkchen ausmachen, ob ich glücklich oder unglücklich bin.

Für GetRemote spielt in diesem Zusammenhang das ortsunabhängiges Arbeiten eine große Rolle. Warum?

Das ortsunabhängige Arbeiten ist quasi der Kernbestandteil von GetRemote. Viele Menschen wünschen sich ein freieres und flexibleres Arbeiten und in den meisten Köpfen ist verankert, dass man dazu selbstständig sein muss. À la “in der Festanstellung bin ich eingesperrt und in der Selbstständigkeit habe ich die absolute Freiheit”. Dass beides nicht ganz wahr ist und dass ortsunabhängiges Arbeiten sehr wohl auch in der Festanstellung funktioniert bringe ich mit GetRemote sowohl Privatpersonen als auch Unternehmen näher.

Auf der einen Seite geht es darum, wie ich als Mitarbeiter meinen Chef vom ortsunabhängigen Arbeiten überzeugen kann und auf der anderen Seite, wie Unternehmen nachhaltig eine Home Office Kultur und Struktur entwickeln und einführen können. Hier nutze ich lieber den Begriff ortsunabhängiges Arbeiten statt Home Office, weil es eben egal sein darf, ob aus den eigenen vier Wänden, aus dem Café nebenan oder von einem ganz anderen Kontinent aus gearbeitet wird.

Wie bist du eigentlich auf die Idee für die Gründung von GetRemote gekommen?

Ich selbst habe knapp fünf Jahre lang in ortsunabhängiger Festanstellung gearbeitet. In einem Online Marketing Unternehmen in Berlin, das zu Beginn meiner Tätigkeit ganz normal von Montag bis Freitag von 9-to-5 im Büro gearbeitet hat. Die Möglichkeit ortsunabhängig arbeiten zu können habe ich mir zuerst als einzige Mitarbeiterin ausgehandelt und nach zwei Jahren habe ich als Teamleitung unser gesamtes Team in ein (teilweise) ortsunabhängiges Team umgewandelt und dadurch sowohl die Vorteile, als auch die Stolpersteine kennengelernt.

Aufgrund meiner Social Media Bilder aus Thailand, Andalusien oder Marokko haben mich viele Bekannte und Freunde gefragt, wann ich denn auch mal arbeite. Da wurde mir schnell klar, dass dieses Modell des remote Arbeitens als Mitarbeiter und nicht als Selbstständiger irgendwie noch nicht angekommen ist. Und so wurde die Idee zu GetRemote geboren, weil ich dieses Arbeitsmodell einfach mehr Menschen zugänglich machen möchte.

Und wie arbeitest du persönlich?

Ich persönlich arbeite gerne mit einem guten Mix. Das dauerhafte Reisen als digitaler Nomade ist nichts für mich. Meine Homebase ist in Berlin, wo ich den größten Teil von Frühling bis Herbst verbringe und entweder in meinem Home Office oder in Coworking Spaces oder Cafés mit Freunden arbeite. Dazwischen bin ich alle paar Wochen bei meiner Familie in Passau und arbeite von dort und im Winter zieht es mich dann für einige Wochen oder Monate in den Süden – irgendwohin wo es warm ist.

„Home Office heißt eben nicht nur, den Mitarbeiter mit dem Laptop eben nach Hause zu schicken, sondern sich damit zu beschäftigen, neue Prozesse, Regeln, Tools und eine Kultur für remote Arbeit einzuführen“

Was sind denn generell die Vor- beziehungsweise Nachteile davon, remote zu arbeiten?

Die Vorteile des remote Arbeitens sind vor allem die Flexibilität und Freiheit entscheiden zu können, wo ich gerade sein will und nicht fest an das Büro gebunden zu sein. Dadurch kann ich mein Leben viel freier gestalten und bin dadurch gleichzeitig viel motivierter für meine Arbeit und oft auch produktiver, weil ich nicht so oft gestört werde wie im Großraumbüro.

Der Nachteil von remote Arbeit ist natürlich, dass man dem Kollegen nicht mal eben über den Schreibtisch hinweg eine Frage stellen kann und durch das Sich-Nicht-Sehen neue Herausforderungen entstehen. Das heißt die Struktur der Zusammenarbeit verändert sich und muss berücksichtigt werden.

Home Office heißt eben nicht nur, den Mitarbeiter mit dem Laptop eben nach Hause zu schicken, sondern sich damit zu beschäftigen, neue Prozesse, Regeln, Tools und eine Kultur für remote Arbeit einzuführen. Denn ansonsten entsteht schnell Frust, weil es “irgendwie” nicht funktioniert.

Genau dabei unterstütze ich Unternehmen – von Anfang an bewusst mit dieser Änderung umzugehen und einen remote Teamkodex zu entwickeln. Und das lohnt sich, weil dadurch sichergestellt wird, dass die remote Zusammenarbeit für die Geschäftsführung, die Führungskräfte und die Mitarbeiter reibungslos funktioniert und alle mit diesem Modell glücklich sind.

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Teresa Bauer, Gründerin, getremote

Zu Beginn ihrer Berufstätigkeit hatte Teresa Bauer den klassischen bürogebundenen 9 to 5 Job. Nach und nach konnte sie ihren Chef davon überzeugen, teilweise ortsunabhängig arbeiten zu dürfen – ganz nach dem Motto “Office is where your heart is!”. Seitdem wechselte sie zwischen Bürophasen in Berlin, Homeoffice bei ihrer Familie in Passau und mehreren Wochen Auslandsaufenthalt im Winter. Infolge der durchweg positiven Ergebnisse dieser Zeit wurde ihr ganzes Team auf teilweise ortsunabhängiges Arbeiten umgestellt. Als Initiator und treibende Führungskraftkraft hinter dieser Entwicklung hat Teresa Bauer die herausragenden Vorteile und Chancen genauso wie die möglichen Stolpersteine dieser Arbeitsweise ausführlich kennengelernt. Als Beraterin sichert sie Unternehmen durch das Arbeitsmodell “ortsunabhängige Festanstellung” wertvolle Mitarbeiterloyalität und ermöglicht Arbeitnehmern als Coach Freiheit und Flexibilität auch in einem festen Beschäftigungsverhältnis. In ihrer GetRemote Jobbörse verbindet sie Arbeitnehmer, die in einem flexiblen Arbeitsmodell arbeiten möchten, mit Arbeitgebern, die genau diese Flexibilität zusagen. getremote.de

 

Die Fragen stellte Josefine Köhn-Haskins

Foto: Unsplash / Mathilde Duton, getremote

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