Chris Kaiser: „Man sollte sich nicht mit okay zufrieden geben“

Chris, wie bist du auf die Idee zu B’n’Tree gekommen?

Chris Kaiser: Die Idee kam mir während meiner 5 Jahre in Thailand. Ich arbeitete in engem Kontakt mit Elefanten zusammen. Und das größte Problem, welches diese wundervollen Dickhäuter haben, ist der Verlust von Lebensraum. Wie überall auf der Welt wird auch in Thailand kontinuierlich Regenwald abgeholzt. Von einstmals 80% Bewaldung Anfang des letzten Jahrhunderts sind aktuell noch 22% übrig – und das inkludiert bereits Baumplantagen wie z.B. Ölpalmen und Kautschukbäume!

Bäume pflanzen kann doch nicht so schwierig sein, dachte ich mir. Man muss es nur finanzieren können. Als Vollbluttouristiker begann ich, in der Tourismusbranche nach Finanziers zu suchen – und wurde fündig. Natürlich muss das Konzept so einfach wie möglich sein. Und so entstand B’n’Tree: Ein einziger Klick auf  pflanzt einen Baum.

Aktuell arbeiten wir mit großen Unternehmen wie Best Western Hotels, Booking und Expedia. Zusätzlich pflanzen wir inzwischen aber auch Bäume für IT Berater und verhandeln derzeit mit Krankenkassen, Schreinern sowie Limonade- und Modeproduzenten. Jede/r kann einen Beitrag leisten.

Wie wichtig ist es Dir, mit deinem Beruf gleichzeitig etwas Gutes zu tun?

Chris Kaiser: Extrem wichtig. Ich möchte nicht nur für einen Gehaltscheck arbeiten. Folglich wähle ich jene Tätigkeiten, die mir sowohl Freude machen, als auch etwas Gutes in der Welt bewirken. Das erfüllt einen langfristig noch viel mehr, als die kurzfristige Freude am Job. Meine Vision ist, Bäume pflanzen zu einer Alltagshandlung zu machen. Jedes Unternehmen und jeder Mensch sollte Bäume pflanzen. Nur so kriegen wir den Klimawandel abgewendet. Dank dieser Vision freue ich mich auf Montage und verbringe teils lange Nächte am PC. Weil ich es will. Weil es mir Freude macht.

Seiner eigenen Vision zu folgen ist deutlich wertvoller als für nichts weiter als einen Gehaltscheck jeden Morgen ins Büro zu schlurfen um dort seine Zeit abzusitzen. Eines Tages werde ich durch einen Wald wandeln, in welchem eine wilde Herde Elefanten ein neues Zuhause gefunden hat. Ich werde wissen, dass ich diesen Wald ins Leben gerufen habe, und dass dank meinem Tun Bullen, Kühe und Kälber sorgenfrei hier umherstreifen können. Das wird der Tag sein, an welchem jede noch so lange Nacht am PC und jede noch so kräftezehrende Verhandlung sich auszahlen wird.

Sollten Bewerbern bei der Jobsuche so idealistisch sein wie du?

Chris Kaiser: Schon auch, aber nicht nur.  Ebenso wie Kunden die Macht haben, was große Konzerne für uns produzieren, haben Arbeitnehmer die Macht, wie Arbeitgeber sich entwickeln. Wenn alle Arbeitnehmer hohen Wert auf nachhaltiges Engagement der Arbeitgeber legen, wird sich die Arbeitswelt extrem schnell wandeln – zum Guten hin, möchte ich meinen. Andererseits darf man ruhig auch egoistisch sein. Viele Menschen suchen ja nach einem höheren Wert, sozusagen dem Sinn des Lebens. Und den findet man, wenn man eine Aufgabe ausübt, deren Nutzen über das eigene Gehaltskonto hinausgeht.

Wie oben berichtet, habe ich einen Traum. Dieser mag idealistisch sein, aber ist auch egoistisch, da es nur mein Traum ist. Die Kombination aus beidem ist extrem wertvoll, denn so hat man einen eigenen Antrieb, der Welt etwas Gutes zu tun.

Auf was sollten junge Bewerber bei der Jobwahl achten? Teile gerne auch deine Erfahrungen und schildere deinen Weg und Werdegang.

Chris Kaiser: Mir war es stets wichtig, dass mir meine Aufgaben Spaß machen, ich etwas Neues lerne, und mit dem Team gut klar komme. Der Fakt, dass ich der Welt mit meinem Wirken etwas Gutes tue, gewann erst in den letzten Jahren für mich an Bedeutung. Ich war mir stets bewusst, dass es für arbeitswillige Menschen genügend Arbeit auf dieser Welt gibt, und habe mich deshalb nie an einen Arbeitgeber gebunden, der mir nicht gefallen hat.

Inzwischen habe ich auf 5 Kontinenten gelebt und gearbeitet. Und wenn ich wirklich auf Jobsuche war, war ich nie länger als eine Woche arbeitslos. Manche meiner Tätigkeiten hielten einen Tag. Andere einige Wochen, manche einige Monate. Mein längstes Beschäftigungsverhältnis, in welchem ich mich noch immer befinde, hält inzwischen 7 Jahre an. Einfach dadurch, dass ich die Suche nach dem perfekten Arbeitsplatz nie aufgegeben habe, und ihn schlussendlich fand.

Man sollte sich nicht mit ‘okay’ zufrieden geben, solange ‘großartig’ möglich ist.
https://bedandtree.com/gallery/

 

Die Fragen stellte: Josefine Köhn-Haskins
Foto: B’n’Tree

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