Einfach behalten

Wie wäre es, wenn neues Wissen künftig „magnetisch“ im Kopf bliebe?

Mit „einfach.behalten“ hat der Jungunternehmer Nicol Jahns eine Methode entwickelt, mit der man sich 500 Informationen am Tag bleibend einprägen kann. Im Interview gibt er einen ersten Einblick in das schnellste Erinnerungssystem der Welt. 

Müssen wir uns in Zukunft überhaupt noch Fakten merken? Werden wir diese in Zukunft nicht schnell und bequem über moderne Technologien abfragen können?

Wissen parat zu haben, wird auch weiterhin wichtig sein. Wichtige Namen, wichtige Zahlen zu wissen und was das für ein Unternehmen bedeutet, das macht bei einem Bewerbungsgespräch Eindruck und ist später bei Verhandlungen, bei Geschäftstreffen oder in Verkaufsgesprächen ein unverzichtbares Asset. Und es gibt einem auch großes Selbstvertrauen. Gerade in einer Zeit, in der sich die Berufsbilder so schnell wandeln, ist es wichtig, sich schnell in ein völlig neues Thema einarbeiten zu können, die Probezeit gut zu meistern, ohne ständig was googeln oder nachgucken zu müssen. Mehr zu wissen hilft auch dabei, Zusammenhänge zu begreifen, macht nicht nur schlauer, sondern eben auch souveräner, überzeugender und damit auch erfolgreicher.

„Werden Prüfungen und Fortbildungen bald zum Kinderspiel?“

Wie funktioniert ihre Methode denn genau?

Im Grunde funktioniert meine Methode wie ein großer Schrank mit vielen Fächern. Jedes Fach wird durch ein Bild symbolisiert. Beim ersten Einprägen von Wissen wird jede Information an eines der vorgegebenen Bilder „geklebt“. Um mir die Informationen langfristig einzuprägen, muss ich im Geiste nur die Schranktüren aufmachen, rein schauen und sehen, ob noch alles drin ist was ich da mal reingesteckt habe. Das dauert 30 Sekunden vielleicht 60 Sekunden. Wenn ich das ganze sechs Mal gemacht habe – das sind maximal sechs Minuten verteilt auf ein Jahr – dann habe ich mir damit zum Beispiel oft in nur 15 Minuten 25 wichtige Fakten auf Dauer im Gedächtnis eingeprägt. 

Und der Trick dahinter?

Das ist der gleiche, mit dem etwa auch die Werbung arbeitet, und weshalb uns manche Werbebotschaften gar nicht mehr aus dem Kopf gehen: Wiederholung. Zum anderen bleibt die Botschaft haften, je verrückter und auffälliger sie ist. Im Hinblick auf meine Methode bedeutet das: Je kreativer die Informationen am Anfang mit den vorgegebenen Bildern verknüpft werden, desto leichter bleiben sie im Gedächtnis. Der zweite, noch viel kürzere Schritt ist, dieses Wissen auf Dauer zu festigen, indem ich es erneut bewusst wahrnehme. Für das richtige Timing sorgt hierbei die App von einfach.behalten.

Ist mein Gehirn nicht irgendwann voll?

Diese Frage kommt ganz oft, zum Glück ist aber das Gegenteil der Fall. Es ist weder eine Frage des Alters noch eine Frage der Kapazität. Manche Neurobiologen behaupten sogar, man könnte siebenmal leben und das Gehirn wäre immer noch nicht voll – und das gemessen an den Anforderungen der heutigen Zeit. Zwar wird das Gehirn an sich nicht größer, aber die Verästelungen wachsen und verzweigen sich mehr. Je mehr Verästelung es gibt, desto mehr kann wieder neues Wissen andocken.  Das heißt, es ist sogar so, dass du immer schneller und besser wirst, je mehr du mit kreativen Methoden lernst und arbeitest. Und es macht gleichzeitig sogar Spaß.

Wie bist du eigentlich auf die Idee für „einfach.Behalten.“ gekommen?

Ich hatte im Abi Schwierigkeiten, mir viele Daten, Zahlen und Fakten zu merken – und habe dann auch mit einer vier in Mathe abgeschlossen. Glücklicherweise durfte ich trotzdem eine Ausbildung bei der Sparkasse anfangen. Während der Ausbildung hatte ich dann aber wieder damit zu kämpfen, trockenes Wissen, also Wissen, das mir persönlich als Trocken vorkam, zu behalten. Aus der Not heraus habe ich dann nach Lösungen gesucht. Ich wollte wissen, ob es einen Trick oder eine Technik gibt, mit der man sein Gehirn überlisten kann, oder ob man sich damit abfinden muss, entweder schlau oder nicht schlau zu sein. Ich habe dann tatsächlich über Youtube-Videos Beispiele für Methoden gefunden, mit denen Leute sich Fakten schneller merken können, hab das ausprobiert und dann damit ziemlich schnell Karriere gemacht.

Das musst du genauer erklären.

Damals habe ich in der Sparkasse Göttingen gearbeitet und war nur darauf bedacht, dass möglichst nicht zu viele Neuigkeiten auf mich einprasseln. Ich hätte nie gedacht, dass mir noch eine Karriere bevorsteht. Aber mit meiner dann selbst entwickelten Methode war ich auf einmal in der Lage, mir alles mögliche zu merken. Und so habe ich mich auf eine Stelle bei der Sparkasse in Berlin beworben, als Spezialist für Rating- und Risikoverfahren. Ich habe mir für das Bewerbungsgespräch alle wichtigen Begriffe und Definitionen eingeprägt und hatte sie dann auch auf Knopfdruck parat. Es war natürlich eine Herausforderung, aber gleichzeitig ist mein Selbstvertrauen gestiegen, weil ich gemerkt habe, dass ich trotz Stress auf alle wichtigen Informationen zugreifen kann. Und es hat auch geklappt. Heute ist die Sparkassen-Finanzgruppe sogar einer meiner größten Kunden. Ich trainiere dort Auszubildende und Mitarbeiter mit meiner Erinnerungsmethode und sorge so für hohe Zeitgewinne, mehr Motivation und geringere Kosten

Es wird also nicht nur in künstliche Intelligenz investiert, sondern auch in die grauen Zellen der Mitarbeiter? 

Ja natürlich! Ich glaube persönlich auch nicht daran, dass künstliche Intelligenz die menschliche völlig ablösen wird, sie kann diese höchstens in Teilbereichen ergänzen. Es gibt etwa Sicherheitssysteme, die sehr zuverlässig funktionieren, zuverlässiger als der Mensch. Da halte ich KI für sehr sinnvoll. Aber nicht mehr Herr meines Wissens zu sein, ich wüsste nicht, wie es mir damit geht. Lebenserfahrung zu speichern, notwendiges Wissen oder auch schönes Wissen im Kopf zu haben, das ist doch etwas, was uns ausmacht. Einige meiner Kunden möchten sich auch einfach schneller Fremdsprachen einprägen Gedichte.

Wie lange brauche ich denn für alle (noch) 28 Länder der EU mit ihrer Methode?

Nur 20 Minuten. Und dabei sogar sortiert nach Einwohnerzahlen.

Und was erwartet die Teilnehmer ihres Workshops auf der Digital Talents?

Wir werden uns gemeinsam ein spannendes Stück Wissen erarbeiten. Und zwar habe ich mir für die Digital Talents 24 bedeutende Erfindungen des 20. Jahrhunderts herausgesucht. Nach maximal 12 Minuten werden die Teilnehmer nicht nur all diese Erfindungen sicher aus ihrem Gedächtnis abrufen, sondern diese auch in allen zeitlichen Relationen  einordnen können.

Damit erleben Sie vor allem eines:  dass sich jeder praktisch alles einprägen kann, was man möchte. Für ein erfolgreiches Leben, mehr Zeitgewinn und mehr Selbstvertrauen.

 

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